Felder und grüne Hügel, so weit das Auge reicht, so nähert man sich dem Gebiet, in dem man doch eigentlich nichts als Weinberge erwartet. Die Region, in der ein blinder Mönch namens Dom Pérignon vor mehr als 300 Jahren den Champagner erfunden haben soll, gilt nicht nur als die Wiege des berühmten Perlweins, sondern gehört auch zu den wichtigsten Kornkammern Frankreichs. |
Nicht von ungefähr erinnert der Name Champagne an das französische Wort für Feld, den Champ. Aber zwischen all den Äckern und Wiesen wurden schon seit dem 12. Jahrhundert Weinreben angebaut und damit der Grundstein für den späteren Ruhm der Champagne gelegt. "Kommt rasch, mein Bruder, ich trinke die Sterne" soll Dom Pérignon übrigens gesagt haben, als er den ersten Schluck der Köstlichkeit genossen hatte.
Sanfte Berge und weite Täler Die meisten Reisenden zieht es direkt in den Norden der Region, nach Reims und Épernay, den Zentren der Champagnererzeugung. Wo die großen Namen wie Moet & Chandon, Veuve Clicquot oder Pieper Heidsieck zu Hause sind, drängen Menschenmassen in die kilometerlangen Kellergewölbe, um nicht enden wollende Flaschenlager zu bestaunen. Vom Süden der Champagne ist dort nur selten die Rede. Zum Glück: So ist die Gegend südlich von Troyes vom Massentourismus noch weitgehend verschont geblieben. Ganz in Ruhe lassen sich hier neben Wäldern, Seen und malerischen Dörfern auch hervorragende Weingüter entdecken. Der Weg in den Süden führt über sanft ge-schwungene Berge und weite Täler. Rund 80 Kilometer von Reims entfernt beginnt das Departement Aube, in dem fast ein Viertel der Trauben für die Champagner-Herstellung wächst. An den Ufern der Aube, die dem Departement seinen Namen gab, und der Seine herrscht ein ideales Mikroklima für die drei Rebsorten "Pinot Noir", "Pinot Meunier" und "Chardonnay", aus denen die geheimnisvolle Verbindung hergestellt werden darf. Ein Teil der Trauben wird nach Reims und Épernay verkauft, der Rest reift in der Aube zu herrlichem Champagner heran. Der ist in Sachen Qualität den großen Erzeugern absolut ebenbürtig, preislich zum Glück nicht: Schon ab 11 Euro kann man den Korken knallen lassen.
Die Champagnerstraße: Eine köstliche Rundfahrt Überzeugen kann man sich davon am besten auf der Champagner-straße, der Route Touristique du Champagne, einer Rundfahrt von etwa 90 Kilometern entlang der Côte des Bars, die von unzähligen Weingütern gesäumt wird. Ausgangspunkt ist Les Riceys, eine aus drei Marktflecken bestehende Gemeinde und die einzige in ganz Frankreich, die über drei geschützte Appellationen verfügt. Unter Kennern wird Les Riceys nicht nur wegen des Champagners, sondern vor allem wegen des Rosé-Weins geschätzt. Er unterliegt strengsten Regeln und darf nur in besonders sonnenreichen Jahren hergestellt werden.Die Ausbeute ist gering: Lediglich 40.000 Flaschen des Rosé des Riceys werden in solchen Jahren abgefüllt. Die Gelegenheit zur Verkostung bei einem der Weingüter sollte man sich daher nicht entgehen lassen. René Bauser, der Winzer mit der größten Anbaufläche in Les Riceys, bietet zur kostenlosen Probe auch eine Führung durch seine kleine Sammlung alter Geräte und Werkzeuge aus dem Weinbau.
Melanie Ulrich |